Demonstration * Asylpolitische Sturheit beenden * ein persönlicher Bericht

Allgemein,Mundwerk 5. November 2014 20:41

Heute fand am Odeonsplatz in München eine Demonstration statt. Die Stimmung war anfangs leise. Bis zur Eröffnung, da kamen die ersten Flüchtlinge zu Wort. Zwei Syrer beschrieben die Situation in ihrer Unterkunft auf dem Olympiagelände so: Viele von uns sind sehr traurig, weil sie viel Leid erlebt haben, zu Hause und auf dem Weg hierher. In den Lagern leben wir auf engem Raum zusammen, es ist schwierig für alle. Die verschieden Kulturen, Männer, Frauen, Kinder, kein Ort für Rückzug, keine Möglichkeit das Erlebte zu verarbeiten und unser Leben selbstbestimmt zu gestalten. Wo wir zu Hause waren hatten wir so viel Stress wegen Bürgerkrieg und jetzt haben wir immer noch Stress.

Es wurde noch mehr gesprochen, aber ich möchte mich auf das konzentrieren, was die Notwendigkeit hervorhebt die Lagerpflicht abzuschaffen.

Dann liefen wir los, über den Max-Joseph-Platz. Seit heute heißt er zum Gedenken an die NSU Opfer Ismail-Yaşar-Platz. Ich sehe mich um. München- eine reiche Stadt, sicher und aufgeräumt.

Die asylpolitische Sturheit zu beenden, ist das Anliegen der geschätzt 700 Menschen, die gemeinsam „Say it loud, say it clear, refugees are welcome here!“ rufen. Wir sind ein ziemlich bunter Haufen, ich freue mich, dass es unmöglich ist eine Zielgruppe zu definieren. So soll es sein, Menschenrechte gelten für alle, gehen alle etwas an. Die Frau vor mir, mit der grünen Jacke wird gerade im Gehen interviewt, vom BR. Sie hat eine Fahne von den Grünen in der Hand. Ich kenne sie nicht. Neben mir laufen zwei junge Männer mit einem Megafon. Sie berühren mich sehr, später erst werde ich mehr über die beiden erfahren. Menschen winken uns von ihren Fenstern aus zu.

Wir stehen vor dem Rathaus. Michael Stenger von der SchlaU-Schule spricht. Er fordert, dass seine Schüler, wenn sie innerhalb von zwei Jahren ihren Hauptschulabschluss geschafft haben nicht noch abgestraft werden indem sie 4 Jahre warten müssen bis sie ein Recht auf Bafög haben. Er bemängelt, dass die Menschen und Organisationen, welche momentan die Situation am besten einschätzen können, von politischer Seite zu wenig einbezogen werden, was mögliche Lösungsansätze angeht. Außerdem gibt es viele Jugendliche, die bei Freunden oder Familie wohnen könnten, wenn es die Residenzpflicht nicht gäbe.

Dieses schicke Wort meint die Pflicht in einer Erstaufnahmeeinrichtung zu bleiben, um für die Behörden erreichbar zu sein. Ich denke ja, dass es auch möglich wäre, die Menschen in einer Privatwohnung zu erreichen, oder?

Hat unsere Gesellschaft denn wirklich so viel Angst vor den Menschen die zu uns kommen, weil ihre Heimat zu gefährlich geworden ist. Ich habe versucht zu verstehen, warum von politischer Seite nur reagiert wird. Es gibt keinen einheitlichen Plan, wie die Länder, Städte und Gemeinden mit den immer mehr werdenden Flüchtlingen umgehen sollen. Keine Aktion, aber dafür eine Menge Repression.

Das finde ich schlimm. Dann erfahre ich von dem Grandhotel Cosmopolis in Augsburg. Hier leben Künstler und Asylsuchende miteinander. Die Hotelbereiche mit Asyl hat die Regierung von Schwaben angemietet, der gemeinnützige Verein »Grandhotel Cosmopolis e.V.« ist Mieter des Hotels ohne Asyl, der Bürgergaststätte, der Ateliers und der Café-Bar. Eine gelungene Kooperation zwischen Regierung, Diakonie und gemeinnützigem Verein. Gemeinsam wurde ein Ort geschaffen, der  kreativ und offen für alle ist. „Refugees Welcome – Gemeinsam Willkommenskultur gestalten!“ Darum geht es. Das ist eine Lösung, die trotz Residenzpflicht die meisten der 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte achtet.

Das findet auch Alex Rühle (SZ Redakteur und Gründer von Goldgrund). Er meint München würde ein solches Projekt auch sehr gut stehen. Am 11.11.14 hat er ein Gespräch mit OB Reiter um das „Bellevue di Monaco“ vorzustellen. Es werden auch potentielle Helfer für die Aufbau-Arbeiten gesucht, die dürfen sich auch gerne jetzt schon melden und zwar hier: info@goldgrund.org.

Und auch wenn ich es toll finde, das es diese und andere Projekte gibt, die sich um einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen kümmern, finde ich das es an der Zeit ist, das unsere Regierung zugibt, dass Fehler gemacht wurden. Es war keine Überraschung, dass viele Flüchtlinge kommen werden. Ich fordere, dass bei allem was entschieden wird die Menschenrechte geachtet werden. Das ist nämlich dass, was mir am meisten Angst macht. Dass das, an den EU Aussengrenzen ganz sicher nicht geschieht und in unserer Asylpolitik auch nicht. Und die Begründung, dass es einfach zu viele Menschen sind, ist auch eine Farce sondergleichen, wenn keiner es für nötig hielt, als man wusste, dass sie kommen werden, eine adäquate Verteilung auf alle EU Länder zu organisieren.

Dann sind wir am Sendlinger Tor Platz angekommen und wieder wird gesprochen. Ein junger Mann meldet sich spontan, er möchte etwas sagen. Es ist einer der beiden jungen Männer, die ich zu beginn des Artikels schon mal erwähnte. Und er erzählt, von Flucht und langen Wegen, von Erschöpfung, Verlust, Trauer und Schmerz. Von Vorwürfen, er wolle nur hier sein, wegen Geld. Ich kann es beim besten Willen nicht wortwörtlich wiedergeben. Es war sehr berührend. Er schloss mit den Worten, er möchte einfach nur leben, am Leben bleiben und ich blickte in die Gesichter der Menge und alle Augen hatten die gleiche Antwort für Ihn und zwar: Ja, das sollst du dürfen. Deswegen stehen wir hier.

Und ich finde das macht Hoffnung darauf, dass noch mehr Menschen anfangen mehr aus ihrem Herzen heraus zu handeln.

Mut war schon immer ein besserer Berater als Angst.

Ich gehe nach Hause und schreibe alles auf und ich beschliesse wieder zu kommen und ein paar Freunde mitzubringen und hoffe ihr macht das auch.

Vielen Dank für euer Interesse und fühlt euch frei zu ergänzen, zu kritisieren und mich meiner eventuellen Naivität zu berauben*

Odeonsplatz: Demonstration asylpolitische Sturheit beenden

OdeonsplatzDemo

 

Solidarität mit den Geflüchteten

SolidaritätmitdenGeflüchteten

 

Am Ismail-Yaşar-Platz vorbei

Ismail-Yaşar-Platz

 

Alex Rühle (SZ Redakteur)

AlexRühle

 

Sendlinger Tor

DemonstrationAsylpolitik

 

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